Veröffentlichungen update 04
Wie lernen Teams?
von Martin Hagen
Editorial
Im letzten Jahrhundert haben wir uns viel Wissen angeeignet über das Lernen von Einzelnen. Erst in den letzten Jahrzehnten rückte eine neue Frage in den Vordergrund: Wie lernen eigentlich Gruppen und Teams?
Es wurde schnell klar, dass sich die Konzepte des Lernens von Einzelnen nicht einfach auf Teams übertragen lassen. Damit stellten sich neue Fragen: Wie viel Steuerung brauchen Teams zum Lernen? Was geschieht in Gruppen, die man einfach so sich selbst überlässt? Wie bekommt es Teams, wenn sie einen sehr engen Entwicklungs-Rahmen vorgegeben bekommen?
Dabei lohnt ein Blick über den Tellerrand: Wenn Familien übergänge bewältigen müssen, so stellen sich auch dort viele Fragen, die mit Lernen zu tun haben. Woher nehmen wir die Zeit und Aufmerksamkeit für die neue Aufgabe (in der Familiengründung)? Oder: Was anfangen mit den entstandenen Freiräumen, wenn die Kinder aus dem Haus gehen.
Interessanterweise bewältigen die meisten Familien diese übergänge, ohne dass sie überhaupt darüber nachdenken. Herausfordernd wird es meistens, wenn sie merken, dass ihre normalen Mechanismen in diesen Umbruchsituationen nicht mehr wirken.
Das ist dann ein wenig wie bei jenem Tausendfüssler, der sich zum ersten Mal der Komplexität an Bewegungen gewahr wurde, die er koordinieren musste. Die bewusste Steuerung überforderte ihn komplett. Nur Stück um Stück lernte er, bewusst und anders seine Bewegungen zu koordinieren.
Ich begegne vielen Teams, die genau an diesem Punkt sind. Sie werden sich ihrer Mechanismen bewusst. Sie möchten flexibler werden oder effizienter. Sie möchten irgendetwas verändern. Damit fängt das Abenteuer von Lernen an.
Für mich persönlich ist das in all den Jahren der Arbeit mit Teams immer wieder eine der faszinierendsten Erfahrungen gewesen: Teams stellen sich in Frage, bleiben sich ihrer Stärken bewusst und gewinnen so miteinander neue Energie.
Aus eins plus eins wird fünf.
Viel Spaß beim Lesen - wir freuen uns, wie immer, über Ihre Rückmeldungen.
Martin Hagen
