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Coaching als Profession
Mal hat ein Coach einen schwelenden Konflikt zwischen dem Chef und seinem Team zu lösen, mal unterstützt er die strategische Neuausrichtung einer ganzen Abteilung, woanders bereitet er einen beförderten Manager auf neue Aufgaben vor. In der einzelnen Situation ist oft klar, was Coaches leisten sollen. Doch ganzheitlich als Profession ist Coaching bisher schwer zu fassen gewesen. Daher hat der Deutsche Bundesverband Coaching (DBVC) ein Kompendium veröffentlicht, das Coaching als Beruf definieren, Qualität von Arbeit, Aus- und Weiterbildung verbessern und die Brache weiter professionalisieren soll. Das ist so wichtig, weil für Coaching die –in anderen Branchen üblichen– Standards fehlen (etwa staatliche Zulassungen oder klare Ausbildungs- und Karrierewege).
Das 58-seitige Heft behandelt die Grundlagen –die Teile zwei und drei zu professionellen Standards und zur Qualitätssicherung werden noch publiziert– und ist für eine Schutzgebühr von zehn Euro beim DBVC erhältlich.
Inhaltlich widmet sich die Broschüre fünf grundlegenden Fragen:
- Was ist Coaching?
- In welchen Situationen ist Coaching (un)geeignet?
- Wie unterscheidet es sich von anderen Beratungsformen?
- Was muss ein Coach leisten?
- Welche Fähigkeiten und welches Wissen benötigt er?
Daran schließt sich ein Ethik-Kodex an, der verbindlich festlegen soll, worauf gutes Coaching fußt.
Kurz gefasst geht es in den Kapiteln um folgendes:
Was ist Coaching?
Zunächst wird hier der Begriff enger gefasst, weil in den vergangenen 20 Jahren zahlreiche Beratungsformen unter Coaching subsumiert worden sind. Es ist daher heute zu einem teilweise schwammigen Gattungsbegriff geworden.
Per Definition geht es im Coaching zuvorderst um die „professionelle Beratung, Begleitung und Unterstützung“ von Führungskräften mit dem Ziel, sie in (meist beruflichen) Situationen leistungsfähiger zu machen. Im Idealfall unterstützt es den Klienten, sich selbständig weiter zu entwickeln und Probleme zu lösen. Coaching kann Individuen, Teams aber auch ganzen Organisationen gelten.
In welchen Situationen ist Coaching (un)geeignet?
Coaches sind in der Regel in herausfordernden „Schwellensituationen“ gefragt, also bei sich wandelnden beruflichen Szenarien, in denen der Klient mit bisherigen Denk- und Verhaltensweisen nicht mehr weiter kommt. Die vier typischen Anlässe sind dabei Organisation- und Managemententwicklung sowie Standortbestimmungen und Konfliktlösungen. In diesem Kapitel geht es allerdings nicht nur darum, wann Coaching sinnvoll ist, sondern auch darum, wann davon abzuraten ist – nämlich zum Beispiel dann, wenn der Coach als Therapeut „missbraucht“ wird.
Wie unterscheidet sich Coaching von anderen Beratungsformen?
Hier wird Coaching in erster Linie von der Methode der Supervision abgegrenzt, weil beide Bereiche besonders ähnlich erscheinen. Der Hauptunterschied ist, dass Supervisionen sich vor allem an die „normalen“ Angestellten richten, während Coachings für Führungskräfte vorgesehen sind. Auf vergleichbare Art werden auch die Unterschiede zwischen Coachings und anderen Beratungsformen wie Mediationen oder Trainings verdeutlicht.
Was muss ein Coach leisten?
Diese Frage ist zu komplex, um sie in der Kürze der Broschüre komplett zu beantworten. Daher gliedert das Kapitel Coaching-Leistungen nur nach zwei Kategorien: danach, wie hoch der Veränderungsdruck ist, und danach, wie komplex das betroffene soziale System ist (vom Individuum bis zur kompletten Organisation). Mehrere Schemata veranschaulichen davon ausgehend typische Aufgaben eines Coaches.
Welche Fähigkeiten und welches Wissen benötigt er?
Coaches sind keine Alleskönner, sondern sollten sich „als Werkzeuge in der Beratung“ sehen. Für wirksames Coaching bedarf es dabei sowohl fachlicher Qualifikationen wie Führungs- oder Organisationswissen als auch überfachlicher Fähigkeiten wie Einfühlungsvermögen. Nur wer beides vereint und zudem authentisch und glaubwürdig ist, wird als Coach akzeptiert. Wie man sich seine Fähigkeiten aneignet, ist nicht festgelegt – eben weil Coaching kein geschütztes Berufsfeld ist. Der DBVC spricht sich formal jedoch für ein abgeschlossenes, fachlich passendes Studium, eine fundierte Coaching-Ausbildung sowie ausreichend Joberfahrung aus.
Der Ethik-Kodex
Das vom DBVC formulierte Grundverständnis basiert auf zehn Thesen. Sie alle hier zu erklären, würde den Rahmen sprengen, daher seien nur einige wichtige kurz erläutert.
- Der Mensch ist Teil seiner Lebenswelt – was für den Coach bedeutet, dass er die Perspektive des Klienten betrachtet, aber auch seine eigene Perspektive reflektiert.
- Die Würde des Menschen ist unantastbar – weswegen der Coach Diskretion wahrt und dem Klient „auf Augenhöhe“ begegnet.
- Der Mensch hat einen Wert jenseits seiner Funktionen – weshalb der Coach ihn nie nur auf seine Probleme reduziert.
- Der Mensch ist prinzipiell mehr und etwas anderes als alle Zuschreibungen – was auch für den Coach bedeutet, dass er seinen Klienten nie absolut verstehen wird und alle Hilfestellungen daher von seiner subjektiven Wahrnehmung ausgehen.
Den Abschluss des Kompendiums bildet ein Glossar,
das Fachbegriffe allgemeinverständlich erläutert.
